Donnerstag, 6. März 2014

Tag 261 - Nicht gut.

Ich habe beschlossen, hier einfach mal weiter zu schreiben, weil ich grade nicht weiß, wohin sonst damit.
Im letzten Post hab ich geschrieben, dass ich Angst davor habe, dass das Eis noch nicht trägt, auf dem ich laufe. Und am Montag ist es dann wirklich gebrochen. Ich glaub, es ist einfach ein bisschen viel zusammengekommen. Und das war sicher auch nicht alles mein Fehler oder Schuld der Medikamentenabsetzung. Aber ich muss mich erstmal wieder sortieren und das für mich klar kriegen.
Durch das viele Training habe ich glaube ich ein paar Warnzeichen übersehen und als ich dann auf Arbeit in eine ziemlich beschissene Position geworfen wurde, ohne dabei wirklich Hilfe zu bekommen (im Gegenteil), ging plöztlich gar nichts mehr.
Ich war die ganze Zeit nur damit beschäftigt, nicht loszuheulen, weil ich einfach komplett überfordert war. Irgendwann bin ich dann aufs Klo, um da erstmal ne Runde zu heulen und danach weitermachen zu können. Aber es ging einfach nicht. Ich saß im Büro und hab versucht, mir gut zuzureden aber ich konnte einfach nicht aufhören, immer wieder loszuheulen. Ich kam mir so bescheuert vor.
In der Mittagspause hab ich mich mit meinem Freund getroffen und da ging dann gar nix mehr. Wir haben dann entschieden, dass ich nach Hause fahre. Es ging mir wirklich schlecht und ich wusste einfach nicht weiter. Ich war nicht mal ansatzweise in der Lage aufzuhören zu weinen und hatte Panik davor, wieder zurück zur Arbeit zu gehen mit der Aussicht, dass das alles noch auf unbestimmte Zeit so weitergehen würde.
Am nächsten Tag beim Arzt saß ich auch da und habe wieder angefangen zu weinen. So unangenehm!
Ich frage mich, wie man so viel weinen kann innerhalb von 2 Tagen, unglaublich.
Er hat mich dann den Rest der Woche krankgeschrieben und so schlecht ich mich dabei gefühlt habe, ich wusste auch keine Alternative.
Ich bin nicht bereit dazu, alles hinzuschmeißen, was ich mir an Stabilität in den letzten Jahren hart erarbeitet habe, um wegen so einer bescheuerten Situation wieder einen Rückfall zu haben.
Ich merke, wie die Impulse von früher wieder da sind. Selbstverletzungsgedanken vor allem. Aber ich will das nicht. Und deshalb macht mir das alles auch so eine Angst. Weil ich da nicht wieder hinwill. Ich habe diesen dunklen Ort meiner Vergangenheit hinter mir gelassen und da soll er auch bleiben.
So schlecht ich mich jetzt fühle bei dem Gedanken, auf Arbeit Leute im Stich gelassen zu haben oder bei der Vorstellung, was jetzt X oder Y von mir denkt... so sicher bin ich mir auch, dass ich diesmal nicht in die selbe Falle tappen will. Jetzt komme ich mal zuerst und danach die Arbeit.

Ich sitze also im Moment zu Hause und versuche, mich sinnvoll zu beschäftigen, bin aber gleichzeitig auch wirklich erschöpft. Genießen kann ich die freien Tage nicht, weil ich die ganze Zeit über alles nachdenke. Aber ich merke heute, dass es ein Stückchen aufwärts geht, glaube ich. Das Weinen ist weniger und ich versuche mich damit anzufreunden, dass ich Montag wieder zur Arbeit gehe und die Sache dann kläre. Denn geklärt werden muss das definitiv noch. Ich will mich nicht vergraben, damit alle mir die Schuld geben können. Ich will denen schon sagen, dass das so nicht geht, wie sie das da aufgezogen haben. Und im Anschluss werde ich versuchen, einen Weg für mich zu finden, möglichst einen, der mich nicht noch einmal ind die Nähe dieser Situation bringt.






Sonntag, 23. Februar 2014

Tag 250 - Zeit für einen Rückblick

Fluoxetin 0-0-0

Seroquel 0-0-0
+ Folsäure & B Vitamine

Vor 1,5 Monaten habe ich den letzten Rest Seroquel abgesetzt und es ist Zeit für einen kurzen Post dazu. Ich hab den letzten Schritt ganz schön lange vor mir her geschoben. Wollte mir nicht Weihnachten versauen und dann nicht Sylvester. Dann nicht die erste Arbeitswoche im neuen Jahr und eigentlich wären mir auch noch x Gründe eingefallen, wieso ich danach noch hätte warten sollen. Und ich hätte auch eigentlich kein Problem damit gehabt, dann eben noch ein bisschen zu warten. Aber ich hab auch gemerkt, dass es mir nicht gut tat, dass dieser letzte Schritt die ganze Zeit so vor mir lag. Ich wollte es dann irgendwann einfach hinter mir haben.

Schön war es nicht. Es war wie immer. Nach ein paar Tagen kamen die Stimmungsschwankungen, die Weinerlichkeit, Gereiztheit und das Gefühl, unglaublich labil und dünnhäutig zu sein. Am Anfang im letzten Sommer, ging das alles noch gut auszuhalten und ich war voll motiviert, weiterzumachen, musste mich eher immer bremsen, den nächsten Schritt nicht zu früh zu machen. Aber inzwischen war es einfach nur noch anstrengend. Ich weiß noch, wie ich abends auf dem Sofa gesessen und geweint habe, weil ich wollte, dass es einfach endlich aufhört. 

Der Gedanke daran, dass es bisher jedes Mal besser geworden und vorbeigegangen ist, hat geholfen. Auch der Gedanke, dass es das letzte Mal sein würde. Und so ist es dann auch gekommen. Dieser beschissene Schleier hat sich wieder gelüftet und ich hatte das Gefühl, wieder durchatmen zu können.

Ich fühle mich insgesamt noch ein bisschen wackelig auf den Beinen. Nicht so, dass es mir jeden Tag auffällt oder ich immer daran denken muss aber so ganz voll belastbar fühle ich mich noch nicht. Ein bisschen wie auf Eis, von dem man nicht weiß, ob es wirklich trägt. Ich versuche, nicht dran zu denken, aber ich habe schon Angst, dass ich irgendwann plötzlich einbrechen könnte.
Aber wenn es soweit sein sollte und das passiert, weiß ich auch, dass ich Menschen an meiner Seite habe, die mir helfen werden. Und ich werde wissen, dass ich schon ganz schön viele Scheiß-Phasen durchgestanden habe im letzten halben Jahr und auch davor. Das ist doch irgendwie beruhigend.